Pass: biometrische Daten auslesen verhindern

Die biometrischen Daten werden seit Jahren in den Ämtern ausgelesen und auf den Pässen (Reisepass + Personalausweis) gespeichert. Die Behörden beteuern immer wieder, dass die Daten in den Unterlagen gelöscht werden und nur noch in den Ausweisdokumenten gespeichert sind.

Seit dem 7. April 2017 werden diese Daten auch ausgelesen und in einer „zentralen Erfassungsstelle“ gespeichert. Wo diese ist und wer darauf Zugriff hat, erfahren wir nicht. Die Änderung hat die Europäische Union am Art. 8 Schengener Grenzkodex (SGK) vorgenommen:

Am 15. März 2017 wurde durch die Europäische Union per Änderungs-verordnung EU Nr. 2017/458 eine gezielte Änderung der Verordnung (EG) Nr. 562/2006 (neu: VO (EU) 2016/399) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen (Schengener Grenzkodex) vorgenommen.  … Diese betreffen in Deutschland Einreisen in und Ausreisen aus dem Schengenraum über die Flug- und Seehäfen und werden ab dem 7. April 2017 wirksam.

Mit der Änderung werden die Mitgliedstaaten verpflichtet, alle Personen beim Überschreiten der Schengen-Außengrenzen einem systematischen Abgleich der personenbezogenen Daten und des Reisedokumentes mit dem Fahndungsbestand zu unterziehen. Dieser nunmehr systematische Abgleich gilt künftig auch für diejenigen, die nach EU-Recht Anspruch auf freien Personenverkehr haben.

Ich sehe es hier wie der CCC, der in seinem Beitrag „Chip zappen“ Heute mal ohne Biometrie: Reisepass „well done“ schreibt:

Besorgniserregend ist vor allem der technische Hintergrund dieser Kontrollen: Um bei jeder Kontrolle von Reisepässen die biometrischen Daten abgleichen zu können, muss eine zentrale Erfassungsstelle für Biometrie-Daten errichtet werden. Die Schaffung einer solchen zentralen Biometrie-Datenbank wurde bei der Einführung der Reisepässe kategorisch ausgeschlossen und steht auch im Widerspruch zum Passgesetz. Die Bundesdruckerei vernichtet daher alle Daten nach der Herstellung des Passes. Die nun eingeführte Erfassung aller Pässe setzt jedoch eine Rückgewinnungsmaschinerie für diese Daten in Gang.

RFID-Chip im Pass deaktivieren

Es geht eigentlich unglaublich einfach: mit einem Induktionsherd kann man den RFID-Chip im Personalausweis und Reisepass schnell deaktivieren.

Ein kurzer Puls einer normalen Induktionsherdplatte zerstört den Chip –  ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen. Das Auslesen der biometrischen Daten ist dann unmöglich. Diese Pulse werden von Induktionsherden abgegeben, wenn sich kein Kochgeschirr auf der Platte befindet. Um sicherzustellen, dass das Deaktivieren erfolgreich war, sollte der Reisepass vorher und nachher mit einem Lesegerät geprüft werden. Dies ist beispielsweise mit einem Basisleser für den ePerso oder mit einem NFC-fähigen Smartphone möglich.

Video RFID-Chip im Personalausweis deaktivieren

Der Pass ist danach natürlich weiterhin gültig, nur die biometrischen Daten können nicht ausgelesen werden.

CCC Video-Links:

Hilfsmittel

Was braucht Ihr dazu?

  1. Induktionsherd
  2. RFID-Chip Scanner
  3. Reise(s)pass und/oder Personalausweis

Zu 1.: Induktionsherd

Wer keinen Induktionsherd hat, kann bestimmt für die paar Minuten ins Küchenstudio seiner Wahl oder bei Freunden kurz unterkommen.

Zu 2.: RFID-Chip Scanner

Trotz Suche bei Conrad und Google Shopping kenne ich mich technisch zu wenig aus. Die empfholene App für Android ist „NFC Tools“ in der kostenlosen Variante. Leider gibt es die App nicht für iPhone. Ich werde den Beitrag an dieser Stelle ergänzen, sobald ich die Informationen habe.

Zu 3.: Pass

Wie man auch in den Kommentaren auf Netzpoltik „Video: Reispässe ohne Biometrie leicht gemacht“ nachlesen kann, ist der Pass nach der Deaktivierung des Chips weiterhin gültig. Warum auch nicht? Immerhin ist das ein gültiges Dokument – mit oder ohne biometrische Daten.

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