SEO ist nicht gleich SEO

Alex hat mit seinem Artikel “Der SEO-Goldrausch ist vorbei” vielleicht nur ins Sommerloch geschossen oder ist es die Wahrheit? Ist SEO tot?

Er führt dafür unter anderem die Begründung an, daß SEO Onpage durch Webdesign und Offpage durch SMO ersetzt wird.

So weit, so gut, so viel These, aber ich sehe das alles viel differenzierter.

1. Kunde, Webdesign und Programmierer

Wenn man für ein kleines Unternehmen eine Website erstellen lassen möchte, KANN inzwischen ein guter Programmierer sicherlich seotechnisch Vorarbeit leisten – und zwar gute. WENN man seine Keywords weiß oder einen guten Online-Marketing-Manager hat, könnte das Onpage schon ausreichen.

Wenn man allerdings ein großes evtl. internationales Unternehmen hat, wird Webdesign allein ein Riesenthema – was ist mit der Zusammenarbeit intern (Marketing/Vertrieb/Programmierer) mit extern (Werbeagentur/Texter)? Soll man voraussetzen, daß die Werbeagentur die das Design entwirft und evtl. noch die Programmierung übernimmt  SEO-technisch auf dem neuesten Stand ist? Das kann böse nach hinten losgehen – und tut es auch oft genug. Und das Team im Haus innerhalb der Strategie zu halten und Prioritäten zu setzen (oder einfach nur schlimme Fehler zu vermeiden), dafür braucht man mindestens einen Projektleiter pro Land mit SEO-Kenntnissen. Von unternehmensinterner Kommunikation ganz zu schweigen, denn die geht in großen Unternehmen auch ohne SEO-Thematik schon schwierig und kaugummiartig genug. Und: so viele gute SEO-Programmierer (in verschiedenen Sprachen?) gibt es auf dem Markt auch nicht. Da kann man froh sein wenn man Programmierer für die verschiedenen Projektteile hat, die ihre Sache beherrschen und darf nicht noch ausgereifte ineinandergreifende SEO- und/ oder SMO-Kenntnisse erwarten.

2. Marketing-Strategie

Wenn man ein kleines Unternehmen hat, kann die Marketing-Strategie schon daraus bestehen, einfach alle Unternehmenskompetenzen auf einer ordentlichen Webseite mit weniger als 50 Seiten gesamt darzustellen. Dazu noch gute optimierte Bilder und that’s it. Linkbuilding kommt vielleicht von alleine oder vorsichtig ein kleines bischen, vielleicht wird es wegen regionaler Verkaufsstrategie oder Angst vor zu schneller Umsatzsteigerung und Ausverkauf auch gar nicht gewünscht.

Wenn man ein großes Unternehmen a la GS1 mit mehrsprachigen Webseiten hat, wird die Marketing-Strategie eher solange zum erstellen brauchen wie ein normaler Business-Plan für ein Start-Up. Darin ist SEO und/oder SMO nur ein Teil vom Rädchen, denn diese Unternehmen haben ganz andere Schwerpunkte. Wie z.B. auch bei Unternehmen mit großen automatischen Hochregallagern mit Artikelverwaltung und Warenwirtschaft, die programmierte und perfekt funktionierende Versand-DHL-Anbindung, Lagerhaltung alle 10 bis 15 Minuten aktualisierend für eigenen Internetshop, Ebay, Amazon, Yatego etc. parallel benötigen. Für das Webdesign diskutiert die Marketing- mit der Vertriebs-Leitung ob Onpage auf der 1. Seite oben die neue Aktion oder die neusten/höchsten DB bringenden Produkte hinsollen. Bei diesen Entscheidungen hat oft weder der SEO noch der Programmierer mitzureden – die haben das dann optimal miteinander umzusetzen. Und dabei habe ich noch gar nicht wechselnde Manager in Top-Positionen oder eine sich ändernde Meinung der Geschäftsführung zur Produktpolitik erwähnt. Wer zahlt sagt an.

3. Content und Linkbuilding

Wenn man Spezialist für z.B. Billard-Ausrüstung ist und diese im XT-Shop verkaufen will, kann man über Billard schreiben. Sicher kann man noch internationale Turniere, Ergebnisse, Personen etc einbauen und den Content laufend aktuell erweitern. Da reicht intern die kleine Marketing-Abteilung mit 1-2 Leuten und vielleicht eine Text-Agentur sowie eine Azubine aus, die die Seiten aktualisiert und nach Richtilinien twittert. Dazu noch ein (SEO-?) Programmierer, der mit Tools technisch automatisiert “füttert”. Linkbuilding funktioniert vielleicht dank gutem Content tatsächlich von alleine und man hat ja auch Lieferanten. Eine kleine kreative Linkbait-Aktion und schon kann die Agentur dabei ein paar starke Links mit “verstecken” – fertig.

Wenn man ein Unternehmen mit 1.000+ Mitarbeiter und/oder einen Shop mit 100.000 und mehr Artikeln mehrsprachig handhaben will, braucht man eine eigene Content-Strategie und die zuständige Abteilung muß nicht mal mit der Marketing-Abteilung im gleichen Haus / Ort / Land sein. Eventuell lernen sich Projekt-Mitarbeiter nach Monaten erst persönlich kennen. Da ist allein die Frage WER die Liste der gekauften Links für WELCHE Domain überhaupt HAT. Wenn man als SEO von extern dazukommt kann es erstmal dauern bis man einen Überblick und die Freigaben hat. Keyword-, Content- und Linkbuilding-Strategie dauern Wochen zum festlegen, dann sind sie aber immer noch nicht genehmigt, was wieder Wochen dauern kann. Wie soll das über SMO alleine ablaufen können? Ich behaupte: Unmöglich! Dass das Unternehmen einen SEO hat, fällt evtl. über Monate hinweg erstmal auf der Webseite gar nicht auf, der SEO lernt vielleicht die Programmierer und die SMO-Abteilung nie persönlich kennen.

SEO ist tot? – Sicher nicht!

Ob nun Goldrausch oder nicht, das muß wohl jeder für sich entscheiden – je nach Stunden- und Tagessatz. Ob er / sie / die Agentur gebucht wird und wie lange der Auftrag hält ist eine andere Frage. AdWords-Werbung sollte ich als SEO-Agentur jedenfalls genauso wenig notwendig haben wie einen Platz 1 in Google auf “SEO” anzustreben.

SEO ist kein Trend – SEO ist Arbeit im Team

Der Markt kränkelt ganz sicher NICHT, denn alle guten SEOs (Und die überhaupt für Kunden arbeiten!) und gute SEO-Agenturen die ICH kenne, sind ausgebucht bzw. suchen eher selbst händeringend nach gutem Personal!

Wie auch Julian so treffend formuliert (ich gehe mal davon aus dass er “wenige” statt “weniger” meint):

Das einzige, was es in der SEO Branche momentan nicht gibt, sind Mitarbeiter: Jeder, der einen PC anschalten kann, wird momentan als SEO eingestellt, weil es so wenige Bewerber (nicht Stellen!) gibt.

Sicher ist für mich nur eins: schwarze Schafe gibt es im SEO UND SMO wie in jeder anderen Branche auch und wird es auch immer geben. Es wird hier nur mehr darüber geredet, weil alle “SEO-Schafe” (schwarze und weiße und männliche und weibliche ;-) und und und) viel aktiver im Netz sind als andere Berufsgruppen.

Just my 2 Cents und jetzt mach ich SEO Onpage für nen Kunden weiter :-)

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3 Responses to SEO ist nicht gleich SEO

  1. Torsten Maue 31. August 2010 at 16:32 #

    Boah, was die jetzt nun alle das Gemautsche von diesem Sczakiel aufgreifen. Der Knallkörper ist kein SEO und wird auch keiner mehr werden.

    Der kluckt heute abend wieder vorm PC und lauert auf WOTR!!

  2. encontrar pareja 7. Oktober 2010 at 08:06 #

    Ich denke, es wird in der Zukunft noch SEO geben, weil Suchmaschinen wie z.B. Google oder Yahoo bei der Auswahl aus Tausenden Dokumenten Algorithmen brauchen um gute Ergebnisse zu geben.

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