Wie grosse deutsche Verlage über SEO denken und Spiele benutzen um die Reichweite für die IVW künstlich aufzubessern:
sueddeutsche.de Chef Hans-Jürgen Jakob über SEO
(wirft damit den 1. Stein)
Wie schon an anderer Stelle berichtet, hat alles mit dem Chef der sueddeutsche.de (Hans-Jürgen Jakobs) angefangen. Der sagte in einem Interview:
“…fordert Jakobs “eine Konvention über statthafte und unstatthafte Maßnahmen” beim SEO. Zuvor sollten “alle Tricks, gegebenenfalls auch Manipulationen, öffentlich gemacht werden”, denn bei “exzessiver SEO” handele es sich um “journalistische Wettbewerbsverzerrung”…”
Aha, denke ich mir da, SEO ist mal wieder gaaanz “böse”, “unstatthaft” und “unöffentlich” – ich dachte es ist schon alles über SEO im Netz? Oder hat die Süddeutsche ihre Hausaufgaben nicht gemacht?
Focus-Chef Jochen Wegner über SEO
(findet, er sitzt nicht im Glashaus)
Aber nein, Focus-Chef Jochen Wegner legt auch noch nach und fordert “Transparenz beim Suchmaschinenmarketing“:
Focus-Online-Chefredakteur Jochen Wegner beurteilt die digitale Vertriebswerbung SEM kritisch: „Das ist Zukauf von Traffic, und Angebote wie Welt.de profitieren überproportional davon. Dies sollte transparent gemacht werden, und ich hätte nichts dagegen, SEO- und SEM-Traffic branchenweit getrennt auszuweisen.“
Hey, gehts noch transparenter?
WAZ-Chef Bodo Hombach zu SEO
(will auch mitspielen)
Dann hat sich dazwischen auch noch Bodo Hombach (WAZ-Chef) zu Wort gemeldet, den wir doch gerne mitreden lassen:
Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe, wettert im HORIZONT-Interview gegen die Praktiken vieler Verlage beim Thema Suchmaschinen-Optimierung. Um die Reichweite ihrer Websites zu pushen, investieren Medienhäuser hohe Summen in Suchmaschinenoptimierung. “Es ist an der Zeit, damit aufzuhören”, mahnt Hombach.
Es könne nicht sein, dass Google das Geschäft dermaßen dominiere und “Unmengen verdiene”, während die Verlage im Web größtenteils Verluste schrieben. Noch sei es möglich, aus eigener Kraft die nötigen Reichweiten aufzubauen. Doch die Zeit drängt: “Wir dürfen uns nicht abhängig machen von Zahlungen an Suchmaschinenbetreiber.”
Kommen wir dann wieder auf Wegner zurück, denn der gibt sogar “Zahlen” zu den von Hombach genannten “hohen Summen” bekannt:
Manche Redaktionen, so will Wegner wissen, kauften derzeit für hohe fünf- oder gar sechsstellige Summen pro Monat Reichweite bei Google und anderen Anbietern, „ohne diesen Traffic auch nur entfernt refinanzieren zu können“.
So, und da kommt jetzt wieder Marcus ins Spiel, der in seinem Artikel dazu sagt (genau meine Meinung):
Da weiß Wegener wohl nicht wirklich Bescheid – denn bei einem Clickpreis von vielleicht einem oder zwei cent und 3-4 TKP-Buchungen auf der Zielseite kann man den Traffic sehr wohl wieder refinanzieren, und wie!
(TKP = Tausender-Kontakt-Preis = Preis pro 1.000 Werbeeinblendungen)
Damit kommen wir zum “Klickdoping” (Manipulationen?) einiger Anbieter im Internet.
Page Impressions
Ich spreche da von den sogenannten “page impressions” (= PI), hier eine kurze Erklärung dazu:
“Page Views”, dt. “Webseiten-Aufrufe”. Bezeichnen die Zahl, wie oft eine Webseite durch Besucher aufgerufen wurde. Page Impressions sind damit ein zentrales Maß zur Beurteilung des Erfolgs von Webseiten. Problematisch ist dabei, dass ein und derselbe Besucher einer Webseite mit jedem wiederholten Besuch einer Seite erneut eine Page Impression erzeugt.
Werbeverträge mit Online-Verlagen
Die Online-Verlage stellen ihre Seiten verschiedenen Werbeträgern zur Verfügung. Das ist jetzt ganz normal, damit verdienen die schließlich genauso ihr Geld wie mit den Werbe-Anzeigen in ihren Print-Ausgaben. Unter anderem schalten sie dabei auch Google-Werbung.
Kommen wir doch nun zum Punkt “Klick-Doping”:
dazu schauen wir uns doch mal ganz triviale Kreuzworträtsel und Sudoku an:
Und ich will gleich mal Stefan Niggemeier zitieren, denn besser kann man es nicht sagen (er ist einfach DER Medien-Journalist!):
Ja, das wirkt sehr unspektakulär, das „gute alte Kreuzworträtsel”, das „Welt Online” seinen Lesern täglich neu präsentiert. Der Clou ist unsichtbar: Das Spiel ist so programmiert, dass jeder einzelne Buchstabe, den ein Leser hier einträgt, als ein Seitenaufruf zählt. Eine einzelne Kniegeige verbessert die Bilanz von „Welt Online” um fünf PageImpressions; wer das Rätsel komplett löst, produziert über 100 PageImpressions mindestens.
Das ist eine stattliche Zahl verglichen mit den Klicks, die sich durch einzelne Artikel oder sogar Bildergalerien produzieren lassen — vom minimalen Aufwand ganz zu schweigen. Und deshalb ist der Trick auch keine exklusive Erfindung von „Welt Online”. Der Online-Auftritt der „Süddeutschen Zeitung” hat sein Sudoku genauso produziert: Jede einzelne Zahl, die in das Gitter eingetragen wird, wird als kompletter Seitenaufruf der IVW übermittelt, deren Werte die Standardwährung im Online-Werbegeschäft sind.
Aber das geht doch noch besser, oder sueddeutsche.de?
Das Puzzle „Klick it like Beckham”, das sueddeutsche.de in immer neuen Varianten auflegt, ist sogar so programmiert, dass jeder Spielzug gleich zwei Klicks produziert:
Oh yeah, grosse Freude bei den Online-Verlagen, wenn wir Nutzer unser “Köpfchen trainieren, denn:
Mit allen Mitteln versuchen die Online-Medien die Zahl ihrer PageImpressions künstlich in die Höhe zu treiben, denn diese Zahl wird gerne fälschlicherweise für eine Messgröße für Erfolg und gar Qualität gehalten. Die Vermarkter werben mit ihr, Medienjournalisten erstellen Rankings und küren Sieger und Verlierer.
Und was sagen die Verlage wie sueddeutsche.de, (wie war das vorhin noch: Optimierung im Internet ist böse, böse und wir brauchen hier dringend mehr “TRANSPARENZ”) zu diesen “Manipulationen” in der Presse selber?
Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur von sueddeutsche.de, mag darin kein Problem sehen: „Wie Sie wissen, bieten viele Zeitungen und Zeitschriften auf Papier Rätsel- und Sudoku-Ecken an, weil sie zurecht davon ausgehen, hier auf Publikumsinteresse zu stoßen. Sollen wir solche Formen ignorieren? Geht es nicht immer daran, eine Mischung anzubieten — aus Information, Investigation, Bildung und auch Unterhaltung?”
Doch Stefan Niggemeier wäre nicht DER Medien-Journalist, wenn er sich so leicht abschütteln ließe. Darum hat er gleich noch mal selber nachgehakt und auch Antwort bekommen:
Auf meine Frage, ob er sich vorstellen kann, auf solches Klickdoping zu verzichten, wenn sich andere Verlage auch dazu verpflichten — analog seiner Forderung nach gemeinsamen Beschränkungen der Suchmaschinen-Manipulation — antworte Jakobs klar mit Nein: „Spiele habe ich nicht gemeint.”
In der Pressestelle der Axel-Springer-AG stellt man sich dumm, was die Problematik dieser Art von Klickdoping angeht, und erklärt, mein Anliegen „verwundere” die Kollegen von „Welt Online”. Verlagssprecher Dirk Meyer-Bosse fügt hinzu: „Wir bewegen uns mit all unseren Angeboten auf WELT ONLINE, also auch mit Online-Spielen, voll und ganz im Rahmen der Richtlinien der IVW, mit der wir auch im engen Austausch stehen”.
Was Meyer-Bosse nicht sagt: Dieser „enge Austausch” kann auch darin bestehen, dass die IVW die Zählung beanstandet. Neulich stellte sich heraus, dass „Welt Online” die Klicks, die das Kreuzworträtsel generierte, als Zugriffe auf „Nachrichten” auswies. Sicher waren die Kollegen von „Welt Online” verwundert, als das herauskam.
Zusammenfassung:
Durch die künstliche Erhöhung der PI wird vorgegaukelt das die User sich besonders für eine Webseite interessieren.
Für einen Werbetreibenden sind folgende Eckdaten wichtig:
- Anzahl der eindeutigen Besucher = Unique Visitors
- Anzahl der besuchten Seiten pro Visit
Wenn man 100 User hat, die durch so ein Rätsel jeweils um die 100 PI generieren, und man hat zusätzlich 2.000 die sich nur 1 Seite ansehen und dann weg sind, hat man insgesamt also 2.100 Visitors mit zusammen 12.000 PI… also durchschnittlich 5,7 PI pro Visit.
Und 5,7 PI pro Visit ist ein recht guter Wert, sagt aus das die User die Site gut besuchen. Sagt also u.a. aus ob die Besucher gezielt eine Website besucht haben um sich dort umzusehen oder zufällig auf die Seite gekommen sind und sofort wieder verschwinden…
Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast
Heute heißt es:
Glaube keiner Online-Statistik bevor du die Sudokus herausgerechnet hast?
Wollen wir an dieser Stelle mal zurückkommen auf die Aussage vom WAZ-Chef Bodo Hombach, der sagte:
Noch sei es möglich, aus eigener Kraft die nötigen Reichweiten aufzubauen.
SO werden also bei manchen Online-Verlagen die eigenen Reichweiten aufgebaut?
Es geht auch anders: bei diesem Sudoku erfolgt ein neuer PI nur, wenn man ein neues Rätsel lädt oder wenn man prüfen will ob alles richtig ist…
Hintergrund-Daten “Anlagen”
Wie werden diese Daten im Internet geprüft, bzw. erhoben?
Durch die IVW (= Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.)
Hier kurz ein Auszug der IVW-Richtlinien (ist etwas langweilig, vorsicht):
IV. Prüfung von Online-Angeboten
1. Die IVW-Prüfung hinsichtlich der Satzungs- und Richtlinienkonformität der Nutzungsdaten findet turnusgemäß zweimal im Jahr manuell sowie ständig automatisiert statt.
2. Die turnusmäßige Prüfung wird ohne aktive Beteiligung des Anbieters durchgeführt und findet in den Räumen der IVW statt.
3. Die Prüfung bedient sich sowohl systemimmanenter Komponenten des Messsystems als auch zusätzlicher Software-Tools, die jeweils aktiv vom Prüfer eingesetzt werden.
4. Das Messsystem enthält Prüfroutinen, die eine Messung bei bestimmten Sachverhalten nicht zulassen (vergleiche Anlage 1 „Definitionen und Durchführungsbestimmungen“, IV.2)
5. Die Prüfroutinen erfolgen kontinuierlich und in Echtzeit, d. h. die richtliniengemäße Ermittlung der Nutzungsdaten wird ad hoc unmittelbar im Moment der Nutzung festgestellt.
6. Newsletter, die Bestandteil des zu prüfenden Angebots sind, sind der IVW unverlangt regelmäßig zuzusenden.VI. Werbung mit Werbeträgerdaten
Die Werbung mit den nach diesem Verfahren ermittelten Werbeträgerdaten für Online-Angebote erfolgt analog zu den IVW-Richtlinien für die Werbung mit Auflagenzahlen. Abweichend hiervon gilt als Ausweisungszeitraum der unmittelbar zurückliegende Monat.
Verwiesen wird in den IVW-Richtlinien auf die Anlage 1, in welcher erklärt wird, WIE die IVW die VERBREITUNG VON WERBETRÄGERN feststellt, nämlich z.B. mit “page impressions“:
1.4. PageImpression (PI)
Eine PageImpression bezeichnet den Abruf einer Seite eines Angebotes durch einen Nutzer. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit eine PageImpression gezählt und einem bestimmten Angebot zugeordnet werden kann:
• Die Seite muss den FQDN des Angebotes (oder Alias/Redirect) tragen.
• Die Seite muss in Look and Feel oder durch eine eindeutige und offensichtliche optische Kennung zum Angebot gehören.
• Jeder Seitenaufruf darf nur einmal gezählt werden.
• Der Aufruf der Seite muss nutzerinduziert sein.
Als nutzerinduziert ist jede Aktion eines Nutzers zu verstehen, die darauf ausgerichtet ist, eine Seite anzufordern, mit der Erwartung, eine wesentliche Veränderung des Seiteninhaltes zu bewirken.
Im Folgenden sind Beispiele für nutzerinduzierte Aktionen und wesentliche Veränderungen aufgeführt, die gewertet bzw. nicht gewertet werden.
Nutzerinduzierte Aktion
- Aufruf einer neuen Seite oder neuer Seitenteile, ausgelöst durch das Klicken mit der Maus oder durch Tastatureingabe.
- Aufruf der gleichen Seite oder gleichen Seitenteile (Reloads), ausgelöst durch das Klicken mit der Maus oder durch Tastatureingabe.
- Öffnen eines Browsers
Keine nutzerinduzierte Aktion
- Aufruf einer neuen Seite oder neuer Seitenteile durch eine automatische Weiterleitung (außer Redirects und Alias).
- Aufruf der gleichen Seite oder gleicher Seitenteile durch einen automatischen Reload (z.B. Newsticker)
- Das Aufrufen einer Seite beim Schließen eines Fensters
- Das Aufrufen über Robots/Spiders und ähnliches.
Wesentliche Veränderung
- Änderungen von Textpassagen, die inhaltlich im Mittelpunkt der Seite stehen
- Änderungen von visuellen, multimedialen Inhalten, die inhaltlich im Mittelpunkt der Seite stehen
- Das Stellen einer neuen Frage bei Quizspielen/Umfragen
- Laden eines neuen Bildes innerhalb einer Bildergalerie (Slideshow)
Keine wesentliche Veränderung
- Änderungen der Seite beim Überfahren mit der Maus (Mouseover)
- Das Verschieben von Bildschirminhalten mittels Maus oder Tastatur
- Eingabe einzelner Zeichen, wobei die Contentänderung darin besteht, die eingegebenen Zeichen darzustellen
- Das Auswählen von Bildschirminhalten mittels Maus oder Tastatur (z.B. Selectbox)
- Das Scrollen mittels Maus oder Tastatur innerhalb einer Seite
- Die Änderung der Farbe (Text, Bild, Hintergrund u.s.w.) einer Seite
- Die Änderung des Layouts einer Seite, ohne den Content zu ändern
Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nicht aufgeführte Sachverhalte sind nicht automatisch richtlinienkonform. Tastatur und Maus stehen für alle Arten von Eingabegeräten, die eine nutzerinduzierte Aktion auslösen können.












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[...] die Zahlen für Seitenaufrufe werden im Internet durch große Verlage und Portale weitgehend manipuliert (Bericht “Klickdoping”) [...]
[...] Problem ist natürlich dass man beim Fernsehen auf Black-Boxes setzt (siehe eher unbekannten Film mit Til Schweiger “Fee Rainer”) oder glaubt hier tatsächlich noch jemand den [...]
[...] noch schön über die Werbe-Einblendungen (die sich anhand der Aufrufe preislich staffeln und mit Klickbetrug kennen sich die Onlineverlage gut aus) Geld verdienen – voila, fertig ist das Online-Angebot einer [...]
[...] bestimmten Plattformen und zum Entstehen voluminöser Bildergalerien und "Klickfallen". Hier ist das Thema recht amüsant aufbereitet worden. Zu Klickorgien haben wir unsere Leser bisher nicht verführt und sehen dafür auch keinen Anlass. [...]